Stillberatung
Beatrix Wagner, examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, hat sich zur Stillberaterin weiterbilden lassen. Sie begleitet die frischgebackenen Mütter individuell mit Empathie und Kompetenz, damit die Stillbeziehung von Anfang an gelingt.
Frau Wagner, Sie sind Stillberaterin auf der Geburtsstation. Was genau gehört zu Ihren Aufgaben und wie wird man Stillberaterin?
Ursprünglich bin ich Pflegefachkraft, mittlerweile arbeite als speziell ausgebildete Stillberaterin hier in der Klinik. An vier von fünf Werktagen bin ich vormittags im Haus, sodass ich in der Regel jede frischgebackene Mutter mindestens einmal persönlich sehe.
Die Weiterbildung zur Stillberaterin umfasst 180 Stunden Theorie sowie 40 Stunden Praxis und schließt mit einem Zertifikat ab. Für mich war die Motivation, diese Fortbildung anzugehen, sehr persönlich: Ich habe selbst zwei Kinder. Beim ersten hatte ich Stillprobleme und hätte mir damals mehr Unterstützung gewünscht. Beim zweiten hat dann alles problemlos funktioniert. Diese eigenen Erfahrungen helfen mir sehr, mich in die Situation der Mütter hineinzuversetzen.
Begleiten Sie alle Mütter oder kommen Sie nur bei konkreten Schwierigkeiten zum Einsatz?
Unser Ziel ist es, mit allen Müttern mindestens einmal zu sprechen. Beim ersten Anlegen im Kreißsaal unterstützt in der Regel die Hebamme; ich gehe dann aktiv auf die Frauen zu, sobald sie auf Station sind. Idealerweise wird der Stillwunsch bereits im Vorgespräch mit den Hebammen thematisiert, damit wir alle gut vorbereitet sind. Bei Bedarf begleite ich die Mütter natürlich auch mehrfach.
Außerdem arbeite ich auf der Station eng mit den Kolleginnen, insbesondere den Kinderkrankenschwestern, zusammen. Ich dokumentiere meine Gespräche sorgfältig, damit alle im Team die gleiche Linie verfolgen können. Und ich schule neue Kolleginnen im Bereich Stillberatung.
Mit welchen Fragen oder Herausforderungen kommen die Mütter am häufigsten zu Ihnen?
Viele Frauen haben zunächst wenig Erfahrung – vor allem beim ersten Kind. Doch auch Zweit- oder Drittgebärende profitieren von Unterstützung, denn jedes Kind ist anders. Manchmal gibt es beispielsweise Besonderheiten wie ein verkürztes Zungenbändchen.
Mein wichtiges Ziel ist es, Mutter und Kind anzuleiten und Sicherheit zu vermitteln. Dazu gehört es, den Eltern Wissen an die Hand geben und kleine Tipps und Tricks zu verraten, zum Beispiel: Wie löse ich den Such- und Saugreflex aus? Wie bekomme ich das an der Brust schlafende Kind wach?
Beraten Sie auch Frauen, die sich gegen das Stillen entscheiden oder Unterstützung beim Abpumpen und Zufüttern benötigen?
Selbstverständlich. Wenn eine Frau von Anfang an sagt, dass sie nicht stillen möchte, respektieren wir diese Entscheidung und unterstützen sie entsprechend. Wer gar nicht stillen möchte, kann auch Medikamente gegen den Milcheinschuss erhalten.
Auch beim Zufüttern oder Abpumpen beraten wir ausführlich – denn auch das will gelernt sein: Wie warm sollte die Nahrung sein? Welche Menge ist sinnvoll? Wie häufig sollte gefüttert werden?
Grundsätzlich fördern wir das Stillen, weil es viele Vorteile hat. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, Babys in den ersten sechs Monaten ausschließlich zu stillen. Muttermilch ist jederzeit verfügbar, hygienisch und hat immer die richtige Temperatur – ein großer Vorteil für Mutter und Kind.





